Technik

Wie richtig bouldern?

Wie verbessere ich meine Klettertechnik beim Bouldern? Ihr kennt es bestimmt. Man steht vor der Kletterwand und sieht vor Lauter Klettergriffen keine Routen mehr. Und doch gibt es für jeden Klettergriff einen optimalen Griff. Eine optimale Klettertechnik. die es dem Kletterer ermöglicht eine Route zu lesen und sie sauber bis zum Top Hold auszuführen.

Aus welchen Material sind Klettergriffe?

Bevor wir uns die verschiedenen Klettergriffe anschauen, betrachten wir zunächst woraus Klettergriffe überhaupt gemacht werden. Klettergriffe kommen in den verschiedensten Variationen. Manche Griffe sind extrem rutschig andere überraschend griffig. Klettergriffe können aus folgendem Material sein.

  • Holz
  • Stein
  • Polyurethan

Während früher noch häufig Holz oder Stein benutzen wurden, um Klettergriffe herzustellen, greift man heute hauptsächlich auf Polyurethan zurück. Dieses Material lässt sich in jede gewünschte Form bringen. Aus diesem Kunststoff werden außerdem Fußbälle, Gummistiefel und vieles mehr hergestellt. Aktuell wird eine Basis aus Soja und Mais verwendet um eine nachhaltigere Produktion zu fördern.

Viele der Klettergriffe in Boulderhallen haben eine raue oder kantige Oberfläche und sollen so an Gestein erinnern. Es gibt aber auch Klettergriffe die speziell für die Kletterhalle konzipiert sind, solche Griffe kommen in der Natur nicht vor.

Was bedeutet Positivity?

Um Klettergriffe einer Schwierigkeitsstufe zuzuordnen unterscheidet man sie üblicherweise nach ihrer "positivity". Hier gilt folgendes, umso leichter ein Griff zu halten ist, umso höher ist seine positivity. Umgekehrt hat ein Griff mit kleinen kanten oder rutschigem Material eine geringere positivity.

Jugs

Jugs sind bekannt für ihre hohe positivity. Sie sind im Grunde so einfach zu greifen, dass man mit ihnen selbst blind noch das Ziel erreichen würde. Sie sind meist mit einem größeren Loch versehen, an dem man mit mindestens einer, wenn nicht sogar zwei Händen gleichzeitig halten kann. Und eben weil Jugs so bekannt für ihren guten Griff sind, werden am Fels auch öfter andere Shapes, die man gut greifen kann als Jugs bezeichnet.

Die beste Klettertechnik:

Hände an den Henkel und ab nach oben. Jugs sind extrem simpel und kraftsparend zu halten und werden oft als eine Art Ruheplatz während der Route genutzt, um dort den freien Arm auszuschütteln und die nächsten Züge zu überdenken.

Incut Klettergriffe

Dieser Griff ist dem oben beschriebenen Jug ziemlich ähnlich und unterscheidet sich lediglich in der Größe. Das heißt, dass du diese Art von Griff meist nur mit einer Hand greifen kannst, was das klettern an ihnen allgemein schwieriger macht.

Die beste Klettertechnik:

Für einen möglichst kraftsparenden Griff solltest du die Kante des Holds so tief wie möglich greifen, um dich nach oben ziehen. Sie sind zwar etwas anspruchsvoller als Jugs, aber gelten als einfach zu halten. Versuche die Griffe immer mit ausgestrecktem Arm zu greifen, um keine unnötige Kraft aufwenden zu müssen.

Crimps

Crimps sind im Vergleich zu den bisherigen Griffen etwas anspruchsvoller. Sie sind meist sehr klein und ungleichmäßig geformt, weshalb sie oft als Stütze für die Füße verwendet werden können. Um sie zu beherrschen, braucht man eine ausgeprägte Technik und außerdem eine ordentliche Menge an Fingerkraft, denn sie bieten nur kleine Kanten und wenig Griffmöglichkeiten. Es sind häufig die kleinen Crimps in einer Route, bei denen sich herausstellt ob ein Kletterer seine Hausaufgaben gemacht hat.

Die beste Klettertechnik:

Crimps sind in der Regel für eine Hand konzipiert. Ihre Größe und nur minimale Kante bedeuten, dass du viel Kraft auf einer kleinen Ablagefläche aufbringen musst. Daher ist ein geschlossener Griff "Crimp" sinnvoller, als eine eingehakte offene Hand.

Versuche die Kante soweit es geht zu umschließen, lege deinen Daumen seitlich am Griff ab und greife fest zu. Damit sollte dein Griff fester sitzen. Diese Technik wird auch crimping genannt und kann anstrengend für die Finger werden. Deshalb solltest du dich bei Gelegenheit ausruhen (z.B. an einem Jug). Die Griffkraft kommt mit der Zeit, von daher solltest du dich vor allem auf eine saubere Technik konzentrieren, um langfristig gute Ergebnisse zu erzielen.

Sloper

Obwohl der Sloper oft als sehr schön und anziehend angesehen wird, scheitern besonders Anfänger bei ihrem ersten Versuch an diesen speziellen Griffen. Im Gegensatz zu den anderen Klettergriffen haben Sloper eine runde Form ohne geeignete Kanten zum Greifen. Um das zu kompensieren, haben Sloper eine vergleichsweise raue Oberfläche, um einen besseren Grip zu gewährleisten, somit kann man sich mehr auf die Reibung verlassen. Sie sind üblicherweise etwas größer als andere Klettergriffe und sind eher in dynamischen Routen zu finden. Ebenso gibt es Routen die nur aus großen Slopern bestehen.

Die beste Klettertechnik:

Weil es keine Kante zum Greifen gibt, kannst du dich hier nicht nur auf deine Griffkraft verlassen. Das Halten fordert möglichst maximale Reibung zwischen Handfläche und Griff. Dementsprechend ist es ratsam, so viel Oberfläche wie nur möglich mit deiner Hand abzudecken, um möglichst viel Grip zu erreichen.

Der Halt wird zu Beginn weniger stark wirken als bei anderen Griffen. Doch die Reibung reicht aus, um dich zum nächsten und meist besseren Griff zu bringen. Wichtig hierbei ist, eine ausgewogene Balance zu halten. Schon kleine Abweichungen der perfekten Körperhaltung können einen Nachteil bedeuten, da dein Körper sich bei einem Sloper stets senkrecht unter dem Stein befinden sollte.

Man kann sich auch mit Hilfe der Hand und Trizeps von einem Sloper nach oben drücken. Hierzu legst du die Handfläche oben auf den Griff und drückst dich nach oben, um den nächsten Griff zu erreichen. Diesen besonderen Griff kann man nicht sehr oft verwenden, aber falls man ihn einsetzen kann, kann er ein richtiger Game Changer sein.

Pockets

Pockets sind Klettergriffe, die ein fingergroßes Loch in der Mitte haben und meist keine geeigneten Kanten besitzen. Sie sind in der Regel klein und eignen sich, um die Griffkraft deiner Finger zu trainieren.

Die beste Klettertechnik:

Griffkraft in den Fingern ist entscheidend, wenn es um Pockets geht. Versuche so viele Finger wie möglich in das mittlere Loch zu bekommen, ohne dass es zu eng für deine Finger wird. Ziehe dich dann in die Richtung des nächsten Griffes. Nutze eher Ring und Mittelfinger, als Zeige- und Mittelfinger. Diese Technik beugt Verletzung vor.

In den meisten Pockets ist Platz für einen, zwei oder drei Finger. Die Größe für einen Finger ist logischerweise die anspruchsvollste und sollte immer mit dem kräftigsten deiner Finger (Mittelfinger) angegriffen werden. Hast du zwei Fingerlöcher zur Verfügung, benutze den Mittel und den Ringfinger. Sind es drei Fingerlöcher nimmst du die mittleren drei, also Zeige-, Mittel- und Ringfinger und benutzt den Daumen und kleinen Finger für zusätzliche Stabilität um das Loch herum.

Wenn dir dieser Griff noch Probleme bereitet, solltest du ihn isoliert an einer Übungswand trainieren, um Verletzungen zu vermeiden und deine Performance zu verbessern.

Wie richtig bouldern?

Edges

Edges sind die am häufigsten vorkommenden Klettergriffe am echten Fels. Es sind Kanten, die ein wenig runder und kürzer sind als Jugs. Meist kannst du sie mit mehreren Fingern halten, Edges sind aber auch gut für deine Füße und können als Tritte benutzt werden.

Die beste Klettertechnik:

Edges sind einfach zu durchschauen, daher gibt es recht weniger zu beachten. Greife sie mit so vielen Fingern wie nur möglich und ziehe dich dann zum nächsten Griff. Mit gestreckten Armen zu klettern beugt unnötiger Erschöpfung vor. Du kannst auch mit einem Crimp Griff klettern, womit du mehr Griffkraft hast, aber auch ein wenig mehr Power benötigt wird.

Pinches

Pinches sind Griffe mit zwei sich gegenüberliegenden Kanten. Diese Klettergriffe werden im Normalfall Senkrecht befestigt. Deshalb musst du deinen Daumen auf der einen und die restlichen Finger der Hand auf der anderen Seite ansetzen, um idealen Halt zu finden.

Die beste Klettertechnik:

Du greifst den Pinch wie oben beschrieben wie eine Krabbe und nimmst den Griff wortwörtlich in deine Zangen. Manche Griffe sind unsymmetrisch geformt und erfordern einen gewissen Grad an Einfallsreichtum, aber sind im allgemeinen mit der gleichen Technik anzugehen.

Pinches brauchen viel Power und fühlen sich meist bei den ersten Versuchen sehr komisch an. Versuche mit großen Pinches anzufangen und arbeite dich dann vor. Je kleiner der Griff, desto größer die benötigte Griffkraft.

Vergiss nicht: Griffkraft ist hier wieder das Entscheidende. Ein Faktor, den du gezielt trainieren kannst.

Volumes

Wohl die größten unter ihren Artgenossen. Volumes sind eine meist geometrische Fläche mit vielen Gewinden, um andere Klettergriffe zu befestigen.

Sie sind oft als Pyramide gegossen oder ähneln einem Halbkreis. Manche der anspruchsvollsten Wettkampfrouten bestehen fast ausschließlich aus Volumen.

Die beste Klettertechnik:

Die Technik beim Volume ist abhängig von seiner Form und seinen Griffen, wenn überhaupt Griffe vorhanden sind. Falls keine Griffe zur Verfügung stehen, musst du nach geeigneten Kanten suchen und diese im richtigen Winkel für dich nutzen. Wenn du es mit eher runden Volumes zu tun hast, dann gehst du sie ähnlich wie einen Sloper an und versuchst so viel Reibung wie nur möglich zwischen Hand und Volume zu produzieren. Ansonsten kannst du dich auch mit deinen Füßen oder Händen an ihnen abstützen, um nach dem nächsten Hold zu greifen.